Ebenfalls im Westen des Landes liegt Sensenti, wo sich die Kooperative Flor del Pino befindet, die wir als nächstes besucht haben.

Besuch bei FLOR DEL PINO

Flor del Pino ist keine gewöhnliche Kooperative, da sie als Kollektiv arbeitet. Die 32 Mitglieder (in der dritten Generation) bewirtschaften eine Gemeinschaftsfläche. Jedes Mitglied hat dann zusätzlich noch eine Parzelle (im Durchschnitt 7mz) der Gemeinschaftsfläche für seine eigene Bewirtschaftung. Das Land von insgesamt 600mz besitzen sie jedoch im Kollektiv, so kann auch ein Mitglied seine Fläche nicht einfach verkaufen. Sie haben ein eigenes Beneficio Humedo.

Der verkaufte Fairtrade-Anteil gegenüber dem konventionellen Anteil beträgt 4/1. Gerade gibt es einige Umstrukturierungen, was die Export-Organisationen betrifft. Dies hat auch einen Effekt auf die Kooperative, die gerade Gespräche mit einigen Exporteuren führt.

Von Null neu angefangen

2011 hat Flor del Pino aufgrund der Roya ca. 90% der Ernte verloren. Seitdem haben sie also sozusagen von Null wieder angefangen. Heute sieht man das den Kaffeefeldern nicht mehr an. Die Mitglieder der Kooperative haben unglaublich viel neu gepflanzt (insbesondere auch mit neuen Sorten wie Colombia, Noventa, Lempira, aber auch mit nicht-Catimor Sorten wie Paca und anderen), mit neuen Schattenbäumen experimentiert und im Rahmen des „Programms zur Stärkung des kleinbäuerlichen Kaffeeanbaus in Honduras“ auch noch weitere Anbaumethoden getestet. Desweiteren wurden andere Kulturen zwischen gesetzt, z.B. Avocado Bäume.

Mit der Fairtrade-Prämie wurden bereits viele Aktivitäten finanziert, beispielsweise wurde in das Versammlungsgebäude und die Lagerhalle investziert. Desweiteren gibt es eine Anlage zur Herstellung von Biodünger. Auch soziale Beiträge wurden beispielsweise an die Kirche geleistet.  

Programm zur Stärkung des kleinbäuerlichen Kaffeeanbaus in Honduras

Über das von Aldi Süd und Fairtrade Deutschland finanzierte Programm wurde auch in eine Röstanlage investiert, in der Frauen aus der Kooperative für den lokalen Markt Kaffee rösten und so ein extra Einkommen aus dieser Aktivität erzielen. Weitere Aktivitäten im Rahmen des Programms war die Errichtung eines Produktionsraums und Anlage für Biodünger, sowie die Durchführung von Trainings.

Neben der Kaffeeproduktion haben sie noch 60 Kühe, Bienenvölker, Holzproduktion und bauen Mais und Bohnen an.

Zu  Besuch bei COCAFELOL

COCAFELOL ist eine der Vorzeigekooperativen, bezüglich der Innovation und Investition in Bioanbau. Die Vielzahl der Aktivitäten und Dienstleistungen für die Mitglieder ist beeindruckend. Im Fairtrade Markt sind sie eine etablierte Größe und bedienen eine Vielzahl an Zertifizierungen (Utz, Rainforest Alliance, Bio, Fairtrade). Sie existieren als Kooperative seit 16 Jahren, seit 5 Jahren haben sie die Fairtrade-Zertifizierung. Der Kaffee wird im eigenen Beneficio Humedo aufbereitet und je nach Qualität in Maschinen, auf dem Patio oder für die Micro Lots in afrikanischen Betten getrocknet.

Sie haben auf dem Kooperativengelände eine beeindruckende Anlage zur Produktion von Biodünger (mit Biogas, Verwertung der Kaffeepulpe, Regenwurmkompostanlagen etc).

Über die Vorzeige-Kooperative

Die Kooperative hat 33 Mitarbeiter, sieben davon sind Agronomen, welche durch die Fairtrade-Prämie finanziert werden. Sie führen eine separate General Assembly nur für die Abstimmung der Verwendung der Fairtrade-Prämie durch. Das ist relativ einzigartig. Wenn Mitglieder sich Bio-zertifizieren lassen möchten, müssen sie erst ein Trainingsprogramm durchlaufen. Sie bekommen von der Kooperative gezielte Schulungen zum Bioanbau (über einen Zeitraum von zehn Monaten).

Kaffee-Verkostungen – ein Unikat 

Auch in Sachen Kaffee-Verkostung bietet die Kooperative Schulungen für die Mitglieder an (hier gibt es Kurse für Kinder, für Jugendliche und für Erwachsene). Die Kurse laufen über einen Zeitraum von 8 Monaten, 2 Tage pro Monat. Die zuständige Mitarbeiterin für die Kurse und die Kaffeeverkostungen (Norma Lara, 29 Jahre) hat mich sehr beeindruckt: Sie hat bei Cocafelol in einfacher Tätigkeit im Beneficio Humedo angefangen. Mit der Zeit wurde sie dann gebeten, die Verkostungen für den Geschäftsführer vorzubereiten. Sie hat dann auch immer mit verkostet, ist nach der Arbeit länger geblieben um zu üben und hat anscheinend großes Talent in der Einschätzung der Kaffees bewiesen. Dann hat sie eine Ausbildung zum Verkoster beim nationalen Kaffeeinstitut IHCAFE absolviert und ist jetzt für die Kaffee-Qualitäten zuständig. Und das als alleinerziehende Mutter (mit 20 Jahren wurden sie bereits Witwe).

Einmal im Jahr wird eine große Messe mit Meisterschaft und Ausstellung der einzelnen Mitglieder veranstaltet. So können die Bauern von Top-Qualitäten prämiert werden.