Voller Spannung und Vorfreude gepaart mit einer stetig ansteigenden Nervosität mache ich mich auf den Weg in die Hugenottenstadt Erlangen in Mittelfranken. Zahlreiche Redeentwürfe für vergangene Auszeichnungsveranstaltungen habe ich bereits geschrieben. Doch nun soll ich sie zum ersten Mal selber halten.

Als ich um 10 Uhr an dem Schloßplatz ankomme, sind die Mitglieder der Erlanger Steuerungsgruppe fleißig dabei, den Stand mit Luftballons zu verschönern. Zur Verköstigung gibt es den fair gehandelten Erlanger Städte-Kaffee und selbstgebackene Muffins – natürlich mit Fairtrade-Schokolade und -Zucker. Die Band Non Filtrata zieht die Passanten, die gerade ihren Einkauf auf dem Wochenmarkt machen, mit Balkanrhythmen an und Kinder hüpfen begeistert auf der Hüpfburg.

Daniel Hufeisen von der Elia-Gemeinde und Sprecher der Steuerungsgruppe macht um 11 Uhr den Anfang. Er erzählt, wie Matthew Horner (ebenfalls Mitglied der Steuerungsgruppe) vor eineinhalb Jahren mit der Idee kam, Erlangen zur Fairtrade-Stadt zu machen. Auch macht Daniel Hufeisen deutlich, dass er als Christ verpflichtet sei, seinen Nächsten zu lieben. Und wenn er eine Jacke trägt, die von einer Schneiderin in Bangladesch genäht wurde, dann ist sie in dem Moment seine Nächste. Zwar könne der Einzelne kaum den Welthandel ändern, aber jeder könne in seinem nächsten Umfeld, hier in Erlangen, anfangen – und dafür biete die Kampagne Fairtrade Towns eine gute Ausgangsbasis.

 

Frau Bürgermeisterin Preuß erzählt davon, wie sie sich letztes Jahr die Arbeitsbedingungen in einer Kakaokooperative in Erlangens Partnerstadt San Carlos in Nicaragua angeschaut hat. Sowohl die Bürgermeisterin als auch Daniel Hufeisen betonen, dass es ihnen nicht im den Titel an sich gehe. Dies sei nur ein Startschuss, eine Motivation für noch mehr Engagement für den Fairen Handel in Erlangen.

Abgeschlossen wird die Veranstaltung mit der Verlosung der fairen Stadt-Rallye. Diese können die Erlanger und Touristen jederzeit auf eigene Faust durchführen. Dabei werden sie zu verschiedenen Orten in Erlangen geführt, die sich alle für Fairen Handel einsetzen. Dort gilt es eine Nachdenk- und eine Preisfrage zu beantworten. Damit soll der Erlanger Bürger auf kreative Weise an das Thema Fairer Handel herangeführt werden.

In Erlangen spürt man wirklich, dass die Initiative von der Zivilgesellschaft getragen wird, und Einzelpersonen sich mit ganzer Kraft und Überzeugung für diese Sache einsetzen. Daher ist es nicht verwunderlich, dass Erlangen die Kriterien weit übererfüllt. Ich bin wirklich beeindruckt!

Anschließend versucht mich Dr. Andreas Schulmeister von der Agenda 21 (ebenfalls Steuerungsgruppenmitglied) als neue Bürgerin für Erlangen zu werben und ich bekomme noch ein paar heiße Tipps für einen Ausflug in die fränkische Schweiz – auf geht’s!

Liebe Erlanger, Herzlichen Glückwunsch zur Auszeichnung „100ste Fairtrade-Stadt“!  Macht weiter so!