Während meines Besuchs der Africa Convention in Ghana hatte ich die Möglichkeit, die Arbeits- und Lebensrealität verschiedener Produzentengruppen kennen zu lernen. Wenn man sich durch den chaotischen Stadtverkehr von Accra durchgequält hat, kann es auf den Landstraßen auch schnell gehen.

Die ABOCFA Kakaokooperative liegt mitten im Kakaogürtel, rund 2,5 Std. von der Hauptstadt entfernt. Sie ist die erste reine Bio-Kooperative in Ghana und hat derzeit 400 Kleinbauern, die rund 400 Tonnen produzieren. Mit Hilfe des britischen Fairtrade Lizenznehmers „Green and Black“ haben sie seit 2007 ein Umstellungsprogramm entwickelt und wurden 2009 Bio-zertifiziert. Ein Hauptproblem war (wie fast überall im Kakaoanbau) die Überalterung der Bäume. Inzwischen versorgt die Kooperative alle Mitglieder mit selbst gezogenen Setzlingen einer ertragreicheren Hybridpflanze. Diese ist eine Mischung aus Amazonien und Westafrika. Mit einer Schulung im Anbau, der Eigenherstellung von organischen Düngemitteln, der Umstellung auf Mischpflanzungen und einem besseren Wassermanagement steigert sich die Produktivität auf gut eine Tonne pro ha. Dies ist angesichts einer sonst durchschnittlichen Ernte von 400kg ein enormer Einkommensgewinn.

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Aber es ist nicht nur die Verbesserung im Anbau: Die Fairtrade-Ansprüche an die Selbstorganisation haben zu einer besseren Gruppenstruktur geführt. Jeder und Jede (jetzt sind viel mehr Frauen selbständige Bauern) trägt mehr Verantwortung und was noch wichtiger ist: es gibt keine Nachwuchsprobleme. Kakaoanbau ist in den Dörfern attraktiver geworden.

Wir konnten bei dem Besuch, nach dem Gespräch mit vielen Bauern im Gemeindehaus, im Feld alle Stationen der Ernte verfolgen.

Die Ernte ist schweißtreibend. Mit langen Bambusstangen und einer Sichel am Ende werden in der feuchtheißen Pflanzung die pfundschweren orangegelbgrünen Schoten geerntet. Noch am selben Tag werden sie mit der Machete fachkundig geteilt und die weiße Frucht entfernt. Mit einer simplen Technik wird aus Bananenblättern mit „Lüftungslöchern“ ein „Fermentierungs-Bett“ in der Pflanzung angelegt. Diese Art der Fermentierung gibt der Bohne auch ein gutes Aroma. Nach 6 Tagen geht es dann zur Trocknung. Auf Bambusvorrichtungen, diesmal mitten im Dorf, dauert es weitere 6 Tage. In allen Verarbeitungsstufen gibt es klare Qualitätschecks. Größe und Farbe der Bohne (rund ein Gramm ist die optimale Bohne schwer) und last, but not least: „the sound of Ghana‘s best beans“ muss stimmen. Ein sattes KlackKlack muss erfolgen, wenn die fachkundigen Hände in den Kakaosack fassen und die Bohnen aneinander reiben. Es gibt ihn also, den Sound of Fairness, wenn Qualität und Preise stimmen.

Beim abschließenden Besuch beim „Chief“ bekommen wir einen lebhaften Eindruck von der rasanten Entwicklung im Dorf. Fairtrade ist ein Mutmacher für die Zukunft und schafft Freiräume für Investitionen, vom Brunnen im Dorf bis hin zur gut eingerichteten Schule. So haben ALLE was davon. Gestärkt mit vielen Eindrücken, leckeren Bananen und frischer Kokosnuss darf ich als „Stammesältester der Fairtrade-Delegation“ ein „Me Daase“ (Danke) für die Gastfreundschaft aussprechen.