Janet und ich waren am 1. November beim Auktionshaus für Kaffee in Kenia, Nairobi Coffee Exchange, um uns anzusehen, wie so eine Auktion abläuft.

Jeden Dienstag (mit wenigen Ausnahmen) wird neu um den Kaffee geboten. Freitags vor der Auktion wird der Kaffee getestet. Der Kaffee wird sowohl beäugt also auch geschmacklich „unter die Lupe“ genommen (ich frage mich, ob die Tester jemals schlafen). Alle Kaffee-Bohnen sind in einem Katalog gelistet. Menge, Größe der Bohnen, Kennziffer und auch Zertifizierungen werden in diesen Katalog festgehalten.

Ich habe mir die Auktion laut und mit Hammer vorgestellt – die Versteigerung findet allerdings leise und digital mit Buzzer ab. Die Ausstattung und der Geruch in der Auktionshalle entsprachen jedoch vollends meiner Vorstellung: Etwas verstaubt und kaffeelastig. Der Kaffeegeruch fehlt mir tatsächlich in der Tee-Nation Kenia manchmal.

Bei der Auktion werden die Produzenten durch Marketing Agents repräsentiert. Diese bereiten die Proben vor, kümmern sich um die Erstellung des Katalogs und um den Verkauf des Kaffees.

Auf der anderen Seite stehen die Händler, die den Kaffee testen um am Ende für den Kaffee bieten, um ihn dann entweder zu exportieren/importieren, oder für den lokalen Konsum zu Röstern gebracht. Weitere Beteiligte sind Leute die den Kaffee lagern, Finanzierer und die Regierung.

Auf einer Anzeigetafel sieht man, wie nacheinander die Kaffeebohnen versteigert werden. Jeder einzelne Posten im Katalog wird neu verhandelt.

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Janet und ich haben Daniel Mbithi, den Chief Executive Manger des Hauses „Nairobi Coffee Exchange“ getroffen um uns über das Aktionshaus und die Prozesse zu informieren. Unsere Unterhaltung fand im Sampling-Room statt, wo die fermentierten und getrockneten Bohnen ausgestellt werden. Da ich sehr schlecht schätzen kann mache ich keine Angabe, aber es waren sehr viele Kaffeebohnen-Proben in dem Raum zu finden.

Daniel Mbithimeint erklärt, kenianischer Fairtrade-Kaffee habe, für ihn persönlich, mindestens drei Besonderheiten – sowohl für den Verbraucher, als auch für den Produzenten oder die Produzentin:

  1. Der Fairtrade-Kaffee der im Kaffee-Auktionshaus in Nairobi unter den Hammer kommt, ist kenianisch. Laut Mbithimeint spricht dies allein für herausragende Qualität.
    Die gute Qualität, die den kenianischen Kaffee ausmacht, ist bedingt durch gute Anbau-Vorraussetzungen und die geografische Lage. Kenia liegt am „Kaffeegürtel der Welt“! (diese Eigenschaft betont er nicht ohne Stolz)
  2. Die gestiegene Qualität die mit der Fairtrade-Zertifizierung einhergeht, bedingt durch viele Auflagen, die häufig einen positiven Effekt auf die Kaffee-Qualität haben
  3. Die Prämie, die in der Gemeinschaft genutzt werden kann und definitiv ein Unique Selling Point in den Supermarkt-Regalen ist, denn durch die Prämie profitieren die Kleinbäuerinnen und Kleinbauern, durch den Verkauf ihres Kaffees.

Wir bekamen viele Informationen, sahen viele Kaffeebohnen und haben viel dazugelernt. Für Einsteiger kann ich übrigens das Kaffee-Fact-Sheet empfehlen, in dem Mindestpreis, Prämie und co. simpel erklärt werden.

Ich habe jetzt noch eine Woche bei Fairtrade Africa. Die Zeit vergeht wie im Fluge!

Liebe Grüße,
Isabel