In Honduras sind die Erfolge des Fairen Handels sehr deutlich zu sehen und zu spüren. Hinzu kommt seit 2014 eine zusätzliche Förderung im Rahmen eines Projekts mit Finanzierung der Finnischen Regierung, Fairtrade Deutschland und Aldi Süd. Eine gute Woche lang sind Nina Winkler aus dem Supply Chain Management von TransFair und ich der Frage nachgegangen, was die Kaffeekleinbauern in Honduras bewegt und wie sich der Faire Handel für sie auswirkt. Während Nina aufgabenbedingt vor allem nach der Nutzung der Fairtrade-Prämie geschaut hat, interessiert mich vor allem die Umsetzung des laufenden Projekts und ob wir mit den darin vereinbarten Maßnahmen die Bedürfnisse der Menschen vor Ort treffen. Außerdem wollten wir im Vorfeld der COP 23 in Deutschland im November wissen, inwiefern sich der Klimawandel für die Kleinbäuerinnen und -bauern in Honduras bemerkbar macht.

Schnell stellt sich heraus, dass bei Investitionen in den letzten Jahren oft Fairtrade-Prämien und Projektmittel gemeinsam eingesetzt worden sind, häufig auch noch in Ergänzung mit anderen Quellen wie Krediten, weiteren Hilfsprojekten oder staatlicher Förderung. Wir erfahren, dass es für die Beantragung der staatlichen Mittel sehr hilfreich ist, Fairtrade-zertifiziert zu sein. Denn zum einen ist durch die Fairtrade-Prämie ein gewisser Eigenanteil sichergestellt, zum anderen gehen die Prüfer mittlerweile davon aus, dass Fairtrade-zertifizierte Kooperativen bereits gute Strukturen in ihrer Organisation etabliert haben und die Finanzmittel gut verwalten können – ein deutliches Plus.

Was bewirkt unser zusätzliches Projekt, das seit Dezember 2014 für mehrere Jahre läuft?

Am offensichtlichsten ist die Wirkung der Einstellung von zwei zusätzlichen Beraterinnen im nationalen Fairtrade-Netzwerk von Honduras. Sonia leistet zusätzliche landwirtschaftliche Beratung, Iris verbessert gemeinsam mit den Kleinbauern ihre Organisationsstrukturen und Abläufe. Egal welche Kooperative wir besuchen – alle berichten begeistert von den neuen Impulsen, die sie durch die Einzelberatungen ebenso wie durch die gemeinsamen Veranstaltungen erfahren. Insbesondere ist es gelungen, einen sehr regelmäßigen Austausch und gegenseitige Unterstützung der Kleinbauernorganisationen untereinander zu etablieren. Immer wieder hören wir bei unseren Besuchen die Aussage, welche guten Maßnahmen und Beispiele aus anderen Kooperativen man gesehen hat und nun auch umsetzen wird. Das betrifft gute landwirtschaftliche Praktiken ebenso wie Ideen zur zusätzlichen Einkommensgenerierung durch Tourismusprojekte, Qualitätsverbesserung oder Vermarktungsinitiativen. Einige größere Kooperativen unterstützen kleinere Gruppen bei der Aufbereitung ihrer Kaffeebohnen für den Export oder bieten gemeinsame Schulungen für Mitglieder an. Einige konkrete Beispiele:

Nachwuchskomitees und Beteiligung von Frauen

In mehreren Kooperativen empfangen uns die in den letzten Jahren neu gebildeten Nachwuchskomitees – junge Bäuerinnen und Bauern unter 35. Einige von ihnen sind aus den USA zurückgekehrt und nun mit großem Eifer dabei, sich eine Existenz in den Kooperativen ihrer Eltern aufzubauen. Die Kooperativen haben das Potenzial des Nachwuchses erkannt, teilweise mithilfe der Fairtrade-Prämien Weiterbildungen oder Ausbildungen finanziert und mittlerweile viele Verwaltungspositionen, Qualitätskontrolle und teilweise auch Positionen als landwirtschaftliche Beraterinnen mit jungen, gut ausgebildeten Frauen und Männern besetzt. Ein Beispiel ist Jeidy Deras in der Kooperative Flor del Pino, die uns lachend erzählt, wie sie noch vor wenigen Jahren Angst vor Regenwürmern hatte, und uns nun zufrieden die Ergebnisse der Kompostherstellung ihrer Kooperative zeigt, für die sie als technische Beraterin u.a. zuständig ist.

FLOR DEL PINO – Jeidy Deras mit Regenwürmern, Regenwürmer, Kröte – Auch eine dicke Kröte fühlt sich im Kompost von Jeidy wohl und lässt sich durch uns nicht stören.

Ein anderes Beispiel ist Isela Vasquez, die als Verwalterin von COAQUIL viele Neuerungen vorantreibt und u.a. erreicht hat, dass die Kooperative erstmals selbstständig Direktkunden mit Spezialitätenkaffees beliefern kann. Sie hat die letzten Jahre gespart und sich dieses Jahr ein Stück Land gekauft, um nun auch selber Kaffee anzubauen und vollwertiges Kooperativenmitglied zu werden.

Isela Vasquez vor neuer Nassverarbeitungsanlage

Fredy, Mitglied der Nachwuchsgruppe von COAQUIL, lädt uns zu seiner Familie ein und erklärt uns seinen Dreijahresplan um die Familienfinca noch nachhaltiger zu bewirtschaften und sie nebenbei für Touristen attraktiv zu gestalten. Er zeigt uns seine Müllsammelstelle – da die Finca unterhalb einer öffentlichen Busroute liegt, sammelt er täglich Müll ein zur Entsorgung oder wo möglich Verwertung. Alte Petflaschen nutzt er unter anderem, um mechanische Fallen für den Kaffeebohrer-Schädling zu basteln, der ein Problem für den Bioanbau darstellt.

Kaffeebauer Fredy

Miguel, Nelson, und Rosy beispielsweise haben von ihren Kooperativen die Ausbildungen zu professionellen VerkosterInnen bezahlt bekommen und haben die interne Qualitätskontrolle neu aufgestellt. Hierbei haben auch die Beratungen von Iris eine wichtige Rolle gespielt, um klare und schriftlich niedergelegte interne Kontrollsysteme transparent für alle Mitglieder zu gestalten und von den Mitgliederversammlungen abgesegnet zu bekommen.

Mehrere Kooperativen haben spezielle Initiativen zur Einkommensgenerierung für Frauen gestartet, z.B. die Röstung und Vermarktung eigenen Kaffees auf dem lokalen Markt, oder auch die Herstellung von Honig, Chutneys und Salben aus verschiedenen Nebenprodukten der Kooperativen. Diese Initiativen laufen gut und konnten ihre Ausstattung mit Geräten – z.B. zum Verschweißen von Kaffeeverpackungen, zum Messen von Feuchtigkeit oder zur Verkostung – mithilfe des Projekts und durch Fairtrade-Prämien in den letzten Jahren kontinuierlich verbessern.

Fotos: Frauengruppen mit Röstkaffee und Honig bei Flor del Pino und COAQUIL.

Klimawandel und Umweltschutz

Der Klimawandel spielt für alle besuchten Kooperativen eine große Rolle. Mehrere Jahre lang herrschte eine ungewöhnliche Dürre, teilweise sind Kaffeesträucher eingegangen. Dieses Jahr nun hat es übermäßig viel geregnet. Wir haben schon vom Flugzeug aus viele überschwemmte Flächen gesehen und auf unserer Reise stoßen wir immer wieder auf unterspülte Straßen, bleiben auch einmal auf dem Weg zu einem Dorf mit dem Geländewagen im Matsch stecken und müssen umkehren. Für die Kleinbauernorganisationen ist der Umgang mit diesen unwägbaren Wetterverhältnissen existenziell für ihr wirtschaftliches Überleben.

Fotos: Überschwemmungen vom Flugzeug aus, CABRIPEL 2 – auf dem Weg zur Kooperative CABRIPEL steckengeblieben, Regen…

Viele Maßnahmen unseres Projekts drehen sich daher um die Verbesserung landwirtschaftlicher Praktiken, um sowohl mit Dürre als auch mit übermäßigem Regen bestmöglich umzugehen und Ernten und Qualitäten zu sichern. Die Farmer experimentieren mit verschiedenen Kaffeesorten, mit Pflanzabständen, um eine bestmögliche Versorgung der Kaffeepflanzen mit Wasser und Nährstoffen sicherzustellen, mit Unterpflanzung zur besseren Speicherung von Feuchtigkeit im Boden und zur Verhinderung von Erosion, mit Mischkulturen mit verschiedenen Bäumen und Stauden. Auch hier hat das Projekt Impulse und Zuschüsse gegeben, in mehreren Kooperativen eigene Baumschulen für die Aufzucht von Kaffeepflanzen und anderen Setzlingen einzurichten. Die Zitrusbäume, Avocados, Liquidambas und vielfältigen anderen Bäume haben gleich mehrere positive Wirkungen: Sie spenden Schatten und verbessern zudem die Ernährungsvielfalt, bieten zusätzliche Einkommensmöglichkeiten durch Harz- und Holzernte, und haben nicht zuletzt auch einen positiven Einfluss auf die Kaffeearomen.

Fotos: Baumschule, Lebende Hecken und Mischkultur

Fast alle Kooperativen haben – wenn auch noch in unterschiedlichem Ausmaß und noch nicht überall ausgereifter Qualität – inzwischen gelernt, ihren eigenen Bio-Kompost und verschiedene Varianten von Bio-Düngern aus den Nebenprodukten der Kaffeeproduktion herzustellen. Gerade für die kleineren Gruppen ist dabei die Unterstützung und Beratung im Rahmen des Projekts unverzichtbar. Größere, wie beispielsweise Cocafelol, sind dabei soweit gekommen, dass sie eine eigene Marke für Bio-Kompost und -Dünger etabliert haben und diese Produkte als zusätzliche Einkommensquelle erfolgreich auf dem regionalen Markt verkaufen. Noch vor wenigen Jahren gab es überhaupt keinen Bio-Dünger in Honduras zu kaufen – wer welchen haben wollte, musste ihn teuer importieren. Nicht nur ist es Cocafelol und anderen Kooperativen damit gelungen, die Gesundheit ihrer Pflanzen und des Bodens deutlich zu erhöhen und damit auch das Ausmaß der Schäden durch mittlerweile verbreitete Schädlinge und Krankheiten wie den Kaffeerostpilz deutlich zu reduzieren, noch dazu haben sie so gut wie keine Abfälle mehr. Auch dies ist ein wichtiger Aspekt: Das Fruchtfleisch der Kaffeekirschen und die Abwässer der Nassverarbeitung vergiften durch Gärprozesse und ein Übermaß an Nährstoffen in vielen Regionen von Honduras Böden und Gewässer, bis hin zu ernsthaften Gesundheitsgefahren für die Bevölkerung durch verunreinigtes Trinkwasser. Alle besuchten Kooperativen wirken diesem Problem durch Aufbereitung und/oder Nutzung dieser nur vermeintlichen Abfallstoffe entgegen – ein doppelter Gewinn.

Diese Reise hat uns gezeigt, was Fairtrade ermöglichen kann, wenn es genug Nachfrage gibt und die Kooperativen genug von ihrer Produktion auch tatsächlich zu Fairtrade-Bedingungen verkaufen können. Die gute zusätzliche Beratung und Unterstützung im Rahmen des Projekts führt zudem zu einer deutlichen Weiterentwicklung der Organisationsstrukturen der Kooperativen. In Honduras sind die Wirkungen mehr als offensichtlich und sind eine gute Motivation für die Arbeit zurück am Schreibtisch in Deutschland.