Rund 400 Entsandte von Kleinbauernkooperativen und Plantagen, dazu Fairtrade-Personal aus Afrika und aller Welt, Händler und NGO-VertreterInnen – es war eine bunte und engagierte Gruppe auf der Africa Fairtrade Convention 2016 in Nairobi, die durch den EU-Handelsvertreter Alessandro Tonoli und eine Vertreterin des kenianischen Agrarministeriums feierlich eröffnet wurde. Neben der Vollversammlung von Fairtrade Afrika, diversen Delegiertentrainings und Workshops, Diskussionspanels und Vorträgen war auch eine Messe Teil der Veranstaltung. Gemeinsam mit vier anderen Fairtrade-Initiativen aus Europa – Finnland, Frankreich, Belgien und UK – präsentierte ich mit Bettina von Reden, die bei TransFair für Internationale Beziehungen,
und Fundraising verantwortlich ist, Fairtrade-Produkte mit Rohstoffen aus Afrika. Allzu oft kriegen die Produzenten die aus ihren Rohwaren gefertigten Endprodukte nie in der Verpackung zu sehen – das Interesse war entsprechend groß.

Frauenpower – Starke Frauen im Fairen Handel in Afrika

Besonders beeindruckt waren wir von der großen Beteiligung von Frauen: Fairtrade Afrika ist inzwischen ein Vorbild in Sachen weibliche Führungskräfte mit Nyagoy Nyong‘o als Direktorin, Tsitsi Choruma als Leiterin des operativen Geschäftsbereichs, Anna Mlay, tanzanische Kaffeebäuerin und Präsidentin des Ost- und Zentralafrika-Netzwerks der Fairtrade-Produzenten und vielen weiteren starken Frauen im Personal sowie in den Netzwerken. Darüber hinaus hatten viele Kooperativen und Plantagen Vertreterinnen entsandt, die uns durch ihre Zielstrebigkeit und ihr Engagement begeisterten. Auch die Präsidentin von Fairtrade International, Marike de Pena, war angereist und erläuterte die jüngst verabschiedete Fairtrade-Strategie 2016 – 2020.

Herausforderungen gemeinsam angehen

Deutlich wurde in allen Debatten: Nur durch eine starke Binnenorganisation können die ambitionierten Ziele, die sich Fairtrade für 2020 gesetzt hat, umgesetzt werden – dies erfordert Kapazitätsaufbau auf allen Ebenen und eine lebendige Diskussionskultur, für die die Africa Fairtrade Convention eine gute Gelegenheit bot. Drängende Themen wie Klimawandel, Gender Equity, Arbeiterrechte und existenzsichernde Löhne, Kinderarbeit, Marktzugang für Fairtrade-Produzenten und Medien wurden in Panels diskutiert, die mit Fairtrade-VertreterInnen, internationalen ExpertInnen und HändlerInnen bunt besetzt waren. In Workshops wurden die Themen weiter vertieft und nach gemeinsamen Wegen gesucht, die Herausforderungen zu meistern.

Paneldiskussion zum Thema Marktzugang mit Dieter Overath. V.l.n.r.: Kate Lewis – Head of Product Management Fairtrade Foundation UK, Faith Muisyo – Head of Region Südafrika Fairtrade-Netzwerk, Josiane Droeghag – Belgian Development Agency (BTC), Rozy Rana – Direktorin der Firma Dormans Coffee Ltd., Arianna Baldo – Direktorin Fairtrade Südafrika, Dieter Overath

Paneldiskussion zum Thema Marktzugang mit Dieter Overath. V.l.n.r.: Kate Lewis – Head of Product Management Fairtrade Foundation UK, Faith Muisyo – Head of Region Südafrika Fairtrade-Netzwerk, Josiane Droeghag – Belgian Development Agency (BTC), Rozy Rana – Direktorin der Firma Dormans Coffee Ltd., Arianna Baldo – Direktorin Fairtrade Südafrika, Dieter Overath

Workshop zu Kommunikation und Medien

Wie können Produzenten selber mehr Einfluss auf die Kommunikation über sich nehmen und auch selber kommunizieren? Bei einer Erkundung unterschiedlicher Kommunikationsstile verschiedener Organisationen und einem Material-Check verschiedener nationaler Fairtrade-Organisationen im sogenannten globalen Norden gab es breite Unterstützung für die von uns verwendeten Motive. Dennoch ist eine direktere Kommunikation durch die Produzenten gerade im Online-Bereich ein Zukunftsprojekt.

Workshop zu existenzsichernden Löhnen

Wie können existenzsichernde Löhne überall erreicht und Gewerkschaftsarbeit gestärkt werden? Das diskutierten gemeinsam mit den Anwesenden Wilbert Flinterman und Zachary Kiarie von Fairtrade International, Vertreter von Fairtrade-Plantagen und Gewerkschaftsinitiativen.

Workshop: Existenzsichernde Löhne

Workshop: Existenzsichernde Löhne

Der erste „Fairtrade Cup“ – Lob von Kaffeeexpertin

Mit professioneller Unterstützung des Nairobi Coffee Exchange und durchgeführt vom unabhängigen Coffee Research Institute of Kenya fand am Dienstagabend erstmalig eine professionelle Cupping Session afrikanischer Fairtrade-zertifizierter Kaffees statt. 17 Kaffees waren eingereicht worden und wurden aufgeteilt nach Robusta und Arabica Kaffees untersucht und verglichen, die teilnehmenden Produzentenorganisationen erhielten Urkunden und ausführliche Beurteilungen ihrer Kaffees. Regina Mwangi vom Coffee Research Institute, besuchte uns am nächsten Tag an unserem Stand und erklärte: „Ich habe festgestellt, dass zertifizierte Kaffees insgesamt besser abschneiden als nicht-zertifizierte. Es liegt wohl daran, dass die Produzenten im Anbau, bei der Ernte und Weiterverarbeitung durch die Anforderungen der Zertifizierer bestimmten Regeln und Richtlinien folgen. Außerdem sind die Arbeitsbedingungen in der Regel besser und die Leute arbeiten motiviert und ordentlich. Das alles führt zu einer besseren Qualität. Also produzieren sie guten Kaffee! Qualitativ hochwertigen Kaffee zu trinken – das macht einfach Spaß!“

Eindrücke und weitere Highlights der Convention

Auf Anregung von Fairtrade Deutschland hin nahm die in Kenia mit ihrer Stiftung „Sauti Kuu“ (Starke Stimmen) ansässige Auma Obama an der Convention teil und wurde gerade für die jungen Fairtrade-Aktivisten zu einem beliebten Foto-Star. Ohne die Arbeit unzähliger Studierender im bunten Fairtrade-Afrika T-Shirt, die auch im Alltag Fairtrade-Botschafter für die Fairtrade-Marketing-Organisation Ostafrika sind, wäre die Veranstaltung nicht möglich gewesen.

Auma Obama mit Fairtrade-Botschaftern

Auma Obama mit Fairtrade-Botschaftern

Kultur vor Ort

Das von uns unterstützte kenianische Hope Theater kooperiert inzwischen eng mit Fairtrade Afrika und war die musikalische, tänzerische und darstellerische Überleitung zwischen den unterschiedlichen Programmpunkten. Als kleine Einlage mit Überraschungseffekt spielten wir in dem Sketch Happy Chocolate mit, in dem der Kakaohandel im wahrsten Sinne durch den Kakao gezogen wurde – eine Szene, die sowohl uns als auch dem Publikum viel Spaß gemacht hat.

Glückliche Gewinner

Kurz vor der Africa Fairtrade Convention fiel die Entscheidung: Die Dutch Postcode Lottery unterstützt eine Fairtrade-Klima-Akademie für Kaffee-Kleinbauern in Kenia mit 1,5 Mio. Euro. Peter d’Angremont von Max Havelaar Niederlande präsentierte den Scheck.

Dormans Kaffee ist einer der ersten Fairtrade-zertifizierten Kaffees, der mit dem Siegel in kenianischen Supermärkten zu kaufen ist. Die Firma unterstützt aktiv den Fairen Handel in Afrika.

Dormans

Fairtrade Ireland hat die Africa Fairtrade Convention 2016 dokumentiert und auf  Video festgehalten: