Manchmal ist Fairtrade auch großes Theater. Ein würdiger Veranstaltungsort der bisher größten Kontinentalversammlung in der Geschichte von Fairtrade war das Nationaltheater von Ghana für die „Africa-Convention“ .

Fairtrade Africa, mit Sitz in Nairobi, hat eine ganze Woche hochkarätiger Vorträge, Diskussionen, Workshops, Produzentenbesuche und – als Premiere-  die erste Fairtrade- und Organic Ausstellung organisiert.

Aus allen 28 Produzentenländern Afrikas kamen Vertreter, 8 Siegelinitiativen aus Europa und Übersee waren vor Ort. Dazu kamen Vertreter von Firmen wie Mars und Barry Callebaut und viele Entwicklungsexperten, von der GIZ über die Kfw bis hin zu UN-Repräsentanten. Gut 250 Teilnehmer kamen nach Ghana.

Ein Ziel der Veranstaltung, Fairtrade endlich auch in Afrika sichtbar zu machen, wurde somit voll erfüllt. Die Medien in Ghana haben die Convention aufmerksam verfolgt. Die Eröffnung der, auf zwei Etagen stattfindenden, Ausstellung durch die Handels- und Industrieministerin Ghanas, Frau Hanna Tetteh, war ebenfalls ein Glanzpunkt. Natürlich war die Geräuschkulisse anders als bei der ANUGA: z.B. sehr ryhtmisch mit afrikanischen Trommeln; weitere Geräusche spielten auch im Verlauf der Woche eine Rolle.


Ein Film über den Impact von Fairtrade in Afrika brachte einen guten Überblick über verschiedene Regionen und Produktgruppen. Noch dichter wurde es in den Vorträgen zu Nahrungssicherheit, Armutsbekämpfung und Schaffung bzw. Absicherung von Arbeitsplätzen. Hier zeigte sich, dass die Hebelwirkung von Fairtrade mit den rasant steigenden Absatzzahlen immer spürbarer wird.

Die vielfältigen Vorträge, Diskussionen und Workshops waren keine abgehobenen Expertendiskurse, sondern immer geprägt von „down to earth“ Fragen und Antworten. Es war gerade auch bei komplexen Themen wie „Climate change and green economy“ zu spüren, dass hier immer der Bogen zu den Alltagsrealitäten der Produzenten gespannt wurde. Die Wasserfrage gehört zu dringenden Problemen. Alleine in Ghana wird sich in den nächsten Jahren der Kakaoanabau aufgrund von Wasserknappheit verändern. Von Ausbau der Produktion kann trotz erhöhter Nachfrage keine Rede sein. Wie mit nachhaltiger Wasserwirtschaft überhaupt noch Kakao anzubauen ist, ist die Herausforderung.

Natürlich waren die Pausen zwischendurch eine nahtlose Fortsetzung der Diskussionen. Die Terrasse des Nationaltheaters war dafür gut geeignet. Beim Essen wurden bevorzugt Produkte aus Fairem Handel eingesetzt.

Aber für Fairtrade Deutschland war es ja auch eine Premiere zusammen mit unseren Nachbarländern den ersten Präsentationsstand auf einer Kontinentalversammlung zu gestalten und entsprechend zu betreuen. Es war uns wichtig zu zeigen, wie wir arbeiten und wie Fairtrade im „Norden“ dargestellt wird. Die Resonanz war ausgesprochen gut. Viele Produzentenvertreter, NGOs und Politiker suchten das Gespräch mit uns. Natürlich war die Erwartungshaltung sehr groß, über uns bessere Absatzmöglichkeiten zu bekommen. Die Zusammenarbeit mit unseren Nachbarinitiativen funktionierte sehr gut und ist ein klarer Hinweis künftig mehr solche Kooperationen durchzuführen.

So haben die 9 Kakaokooperativen aus der Elfenbeinküste eine gut „choreographierte“ Gemeinschaftspräsentation durchgeführt und alle Vertreter der Siegelorganisationen bestens mit Infos versorgt. Eine Messe ist eben auch ein guter Übungsplatz zum Verkaufen, egal ob es sich um eine Idee oder Kakaobohnen handelt.

Aus der lebhaften Diskussion mit Mars war uns eine Produzentenmeinung am deutlichsten in Erinnerung geblieben: „Ich möchte nicht immer über Armut sprechen. Eigentlich sind wir reich, weil wir ein Produkt haben, das Ihr braucht. Ohne uns könnt Ihr keinen Schokoriegel herstellen. Ihr seid von uns abhängig. Es ist Zeit für mehr Fairness!“

Nicht nur hier war ein neues Selbsbewußtsein unserer afrikanischen Kollegen spürbar. Selbst eine so große Versammlung zu organisieren, hochkarätige Referenten zu präsentieren und lebhafte Diskussionen zu erzeugen, ist eine weitere Etappe in der Entwicklung von Fairtrade Africa.

Bei allem war aber deutlich zu spüren, dass dies eben nicht die afrikanische Anuga ist, sondern in ihren Eigenarten eine Veranstaltung in Accra ist, die in ihrer Lebhaftigkeit und den Geräuschen auch Ausdruck afrikanischer Lebensweise ist. Am Abend war das noch deutlicher zu spüren, wenn ghanaischer Highfly-Rhythmus den Ton angab.