Jedes Jahr Ende September heißt es für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Fairtrade Deutschland: Raus auf die Straße – es ist Teamevent! 2016 haben wir in der Haupteinkaufsstraße Kölns auf das Thema faire Textilien aufmerksam gemacht und die Bürgerinnen und Bürger gefragt, welches Kleidungsstück sie fair sehen wollen. 2017 war nun Kaffee das große Thema. Im Rahmen der Fairen Woche haben Aktive aus Fairtrade-Towns, -Schools und -Universities zahlreiche Veranstaltungen durchgeführt. Am 29. September ging es auch für das Fairtrade-Team mit einer Petition gegen die Kaffeesteuer und einer „Wahlkampfaktion“ für fair gehandelten Kaffee auf einen Wochenmarkt in Köln-Sülz.

©Jakub Kaliszewski

Dafür mussten einige Kolleginnen aus dem Kampagnenteam ziemlich früh aufstehen: Schon ab 7:30 Uhr wurde die „Wahlzentrale“ auf dem Wochenmarkt am Auerbachplatz aufgebaut. Gegen 9 Uhr ging es dann richtig los. Bei strahlend blauem Himmel informierten wir Marktbesucher*innen über fairen Kaffee, die Kaffeesteuer und die dazugehörige Petition. Seit dem 17. Jahrhundert wird in Deutschland eine Steuer für Kaffee erhoben, die derzeit bei 2,19 Euro je Kilogramm für Röstkaffee und bei 4,78 Euro für löslichen Kaffee liegt. Ein Relikt aus alten Zeiten, das dringend eine Überarbeitung benötigt. Fairtrade Deutschland fordert daher die neue Bundesregierung mit einer Petition auf, Steuervergünstigungen für fair gehandelten Kaffee anzuregen und damit den Konsum von fairem Kaffee zu fördern. Schon ein paar Tage vor dem Teamevent machten wir mit einer Stickeraktion auf die Petition aufmerksam.

Die Abschaffung der Kaffeesteuer würde die schwierige Situation der Kleinbauernfamilien im globalen Süden verbessern. Zugleich bräuchten die Endverbraucher*innen hierzulande weniger Steuern zu bezahlen und würden möglicherweise häufiger zum fair gehandelten statt konventionellem Kaffee greifen und somit größere Absatzmärkte für Kleinproduzent*innen schaffen. Welche Auswirkung stabile Verkaufspreise und gute Marktzugänge auf die Kooperativen in den Produktionsländern haben, weiß Sandra Palacios Martínez, Leiterin der kolumbianischen Organisation Cooperativa de Caficultores y Agricultores de la Sierra Nevada de Santa Marta, kurz COOAGRONEVADA. Die Kooperative ist seit 2010 Fairtrade-zertifiziert und wünscht sich, ihre Produktion zu 100 Prozent zu Fairtrade-Konditionen absetzen zu können. Aktuell sei dies, so Martínez, aufgrund der geringen Nachfrage leider noch nicht möglich, denn nur 4 Prozent des in Deutschland verkauften Kaffees ist fair gehandelt. Zusammen mit Sol Maria Toro, einer Vertreterin des Fairtrade-Produzentennetzwerks für Kleinbauernkooperativen in Lateinamerika und der Karibik, CLAC, war Martínez im Rahmen der Fairen Woche auf bundesweiter Vortragstour, mit Halt in Köln.

Gegen 11 Uhr ist am Fairtrade-Stand einiges los. Manche Besucherinnen und Besucher unterschreiben direkt am Stand, andere nehmen erst mal ein paar Informationsmaterialien mit. Wer noch unschlüssig ist, kann seine Einstellung zum Thema im Wahl-O-Fair testen und mit zehn Fragen herausfinden, wie fair sie oder er schon ist. Für gute Stimmung sorgt nicht zuletzt die Möglichkeit, fairen Kaffee direkt auf dem Wochenmarkt probieren zu können. Ob Milchkaffee, Cappuccino oder Espresso: Passend zum Coffee Fairday hat der lokale Barista an dem Tag nur fair gehandelten Kaffee im Angebot, den er im keramischen Mehrwegbecher von TransFair ausschenkt.

Um 13 Uhr ist erst mal Schluss. Der Wahlkampf für fairen Kaffee geht jedoch weiter. Bis zum nächsten Meilenstein von 15.000 Unterschriften fehlen uns noch ein paar…

Fotos Copyright: TransFair e.V.

Mehr zur Kaffeesteuer unter Link zur Petition unter www.coffee-fairday.de