Am Donnerstagmorgen mache ich mich auf, es geht in den Norden. Am Nachmittag geht meine Fähre. Ziel: die Nordsee-Hallig Hooge. Diese soll am nächsten Tag zur ersten Fairtrade-Hallig und gleichzeitig kleinsten Fairtrade-Town ausgezeichnet werden – gleich ein doppelter Rekord! Ich bin gespannt und freue mich auf die Erfahrung, im Zug schaue ich mir nochmals meine mitgebrachten Unterlagen an und bereite mich vor.

Im Herbst fährt die Fähre nur einmal täglich. Die nächste und letzte wird meine sein – das hatte ich jedenfalls geplant. Aber es kam, wie es kommen musste: Bereits in Köln war mein Zug verspätet. Es wird später und später. Und spätestens in Hamburg sieht es schlecht für mich und meine Weiterreise aus.

Nicht verzagen, Herrn Jacobsen fragen!

Auch Bahnangestellte am Schalter nimmt mir zunächst jede Hoffnung – „Nee, das wird heute nichts mehr.“ Was tun? Am nächsten Tag würde die Fähre auch nur einmal fahren und zwar nach der Auszeichnungsfeier! Ruhe bewahren und Herrn Jacobsen anrufen. Wir finden schon eine Lösung. Und im Lösungen-Finden scheint Herr Jacobsen geübt zu sein. Postwendend organisiert er eine Fähre für den nächsten Morgen, mit der ich pünktlich zur Auszeichnungsfeier eintreffen werde. Super!

Am nächsten Morgen stehe ich pünktlich um 07.30 Uhr am Fähranleger und schaue über das Meer der Fähre entgegen – ist das der Seeadler? Ja! Die Sonne geht auf, als ich die Fähre betrete und sehr freundlich begrüßt werde. Wir fahren zirka eine Stunde.

In dieser Stunde lerne ich bereits sehr viel. Über die Fährzeiten, die veränderten Wetterbedingungen und ganz wichtig: Den Unterschied zwischen Insel und Hallig! Eine Insel hat einen Deich, eine Hallig nicht. Das bedeutet beispielsweise, dass das Land mehrmals jährlich – meist zwischen Oktober und April – von der Nordsee überflutet wird. Während eines solchen “Landunters“ ragen nur die Warften aus dem Wasser. Sie sind künstlich aufgeworfene Erdhügel, auf denen die Häuser der Halligbewohner erbaut wurden. Auf Hooge gibt es zehn bewohnte Warften, die von etwa 100 Halliglüüd bewohnt werden. Es gibt eine Schule, einen Supermarkt, die Schutzstation Wattenmeer, eine Kirche und so weiter. Spannend!

 

„Fairtrade rückt die Welt ein bisschen näher zusammen.“

Unter dem Motto fand die Auszeichnungsfeier am 10. November im Gemeindehaus auf der Kirchwarft statt. Bereits als ich eintrete vernehme ich Gemurmel über Fairtrade und dem Engagement für den fairen Handel auf der Hallig. Super Start, hier wird der faire Handel gelebt.

Die Dimensionen auf der Hallig sind anders, kleiner als in anderen Fairtrade-Towns. Im die Kriterien zu erfüllen, muss es, bei der Größe und im Verhältnis zur Einwohnerzahl der Hallig, einen Gastronomie- sowie einen Einzelhandelsbetrieb geben der mindesten zwei Fairtrade-Produkte im Sortiment hat. Und ich staunte nicht schlecht als ich eins der Unternehmen, nämlich den „Eine Welt Schrank“ sah. In einem sehr schön verzierten Wandschrank werden Produkte aus dem fairen Handel angeboten, die beispielsweise nach dem sonntäglichen Kirchgang erstanden werden können.

Eine-Welt-Schrank

Eine-Welt-Schrank

Auszeichnungsfeier auf der Kirchwarft

Die Auszeichnungsfeier an sich fand in einem sehr netten Rahmen statt. Vereine, Interessierte und sogar die Schule mit allen Kindern (8) war vertreten. „Die sollen mitbekommen was hier passiert – schließlich sind sie die Zukunft.“

Wir werden von Herrn Jacobsen, Herrn Klisch, dem stellvertretenden Bürgermeister, und durch einen musikalischen Beitrag begrüßt. Hinter dem Pult steht ein „Fairtrade-Towns-Banner“, der in Handarbeit zum „Fairtrade-Hallig-Banner“ modifiziert wurde.

Über „Genrationen“ an Freiwilligen wurde das Projekt nun endlich realisiert. Bereits vor zwei Jahren haben sich erste Freiwillige der Schutzstation Wattenmeer auf den Weg gemacht, die erste Fairtrade-Hallig zu werden. Im weiteren Verlauf der Auszeichnung stehen daher direkt vier junge Frauen auf der Bühne um über ihre Erfahrungen zu berichten, und zu versichern, dass die Auszeichnung erst den Anfang macht und dass sich bereits viele Aktionen zum fairen Handel in der Planung, oder wenigstens in der Ideenmaschine, befinden.

Nach der offiziellen Urkundenübergabe, motivierten uns weitere Ansprachen und musikalische Beiträge dazu weiter Engagement und Aktionismus zu zeigen und sich für die Produzenten im globalen Süden stark zu machen. Unter den Vortragenden war die Geschäftsführerin der Biosphäre Halligen, der Kirchengemeinde und der Steuerungsgruppe.

Im Anschluss gibt es eine leckere Suppe und nette Gespräche über den fairen Handel sowie das Leben auf der Hallig Hooge und wie genau das zusammenpasst. Ein großer Dank gilt selbstverständlich der Steuerungsgruppe und allen am Fest beteiligten Personen. Ich freue mich sehr über die Auszeichnung!

Ausklang

Nach dem offiziellen Teil, hatte ich noch die Ehre eine persönliche Rundfahrt und Einblicke über die Hallig Hooge zu bekommen. Ich habe wirklich viel dazu gelernt: Von dem Leben auf einer Hallig und was z.B. veränderte Wetterverhältnisse für Einflüsse auf die Bewohner, aber auch das Meer und seine Bewohner hat. Ich bin sehr netten und besonderen Menschen begegnet.

Die Hallig Hooge ist auf jeden Fall einen Besuch wert. Schaut doch Mal, was auf Hooge gerade los ist, auf der Webseite, oder fast live über die Webcam.